Verkauf in zwei Schritten in Vorbereitung der Altersnachfolge

Viele erfolgreiche Unternehmer beschäftigen sich konsequent mit allen relevanten Bereichen des Unternehmens, sowohl mit den Entwicklungschancen als auch den Risiken. Gerade im Alter zwischen 50 und 60 Jahren bekommt das Thema Unternehmensnachfolge einen immer höheren Stellenwert, da ein Nachfolgeprozess durchaus mehrere Jahre dauern kann. Dieser Artikel beschreibt beispielhaft ein Modell, das insbesondere für Unternehmer in dieser Altersgruppe interessant sein kann.

In der Lebenssituation „um 55“ gibt es häufig verschiedene Spannungsfelder. Einerseits hat ein erfolgreicher Unternehmer „noch viel vor“, andererseits erfordern neue Projekte neue Risiken und Investitionen. Dabei wird die Zeit eventuelle Fehlentwicklungen zu korrigieren knapper. Ein erfahrener Investmentpartner kann dabei helfen, dieses Spannungsfeld aufzuheben. Wenn noch genug Kraft für einen nächsten Wachstumsschub, eine weitere Herausforderung oder eine Internationalisierungsstrategie vorhanden ist, dann kann die Zusammenarbeit mit einem Partner Sinn ergeben. Auch wenn eventuell die nachfolgende Generation bereits im Unternehmen ist, kann die Zusammenarbeit mit einem finanzstarken und international erfahrenen Finanzierungspartner vorteilhaft sein.

Vermögenverteilung

Ein häufig verwendetes und gängiges Modell ist die Zusammenarbeit mit einem Investmentpartner, der sich auf die Begleitung von solchen Prozessen spezialisiert hat und bereit ist, sich auf die jeweilige Situation einzustellen. Häufig wird dieser Investmentpartner eine mehrheitliche Beteiligung anstreben, da er für den Zeitraum des Übergangs die Hauptverantwortung für die Finanzierung der neuen Projekte übernimmt. Es gibt aber auch Fonds und Family Offices, die unter bestimmten Randbedingungen mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden sind.

„Wie kann aber ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Interessen des Investmentpartners und des Unternehmers erzeugt werden, bei dem Chancen und Risiken angemessen verteilt werden und der Unternehmer trotzdem einen guten Teil seines Unternehmenswertes realisieren kann?“

„Wodurch begrenzt der Investmentpartner seine eigenen Risiken oder erhöht seine Chancen?“

„Wie kann der EBIT-Multiple bei einem etwaigen späteren gemeinsamen Verkauf erhöht werden, so dass sich zwischen den Interessen beider Parteien eine „Brücke“ bauen lässt?“

„Wie wird ein geeigneter Investmentpartner gefunden, der in diesem Bereich Erfahrung hat?“

1. SCHRITT – AUFNAHME EINES INVESTMENTPARTNERS

Nach Aufstellung eines Wachstumsplanes, bei dem die Frage der Mittelbeschaffung zunächst ausgeklammert wird, wird mit einem Investmentpartner die Wachstumsstrategie besprochen. Sind beide Partner überzeugt kann es zu einem Deal kommen. Der Investmentpartner übernimmt z.B. zwischen 50,1 und 80 Prozent in einer übergeordneten gemeinsamen Holding Gesellschaft. Diese wird teilweise aus Eigenmitteln und teilweise über Bankdarlehen und/oder Gesellschafterdarlehen finanziert und kauft die Anteile. Dabei nutzt der Investmentpartner seine gute Bonität. Der Unternehmer erhält z.B. 20 – 49,9 Prozent der Anteile an der Holding Gesellschaft und bringt im Gegenzug die nach dem Verkauf verbleibenden Restanteile ein.

2. SCHRITT – GEMEINSAMES WACHSTUM

n einem Zeitraum von ca. 5-7 Jahren wird eine gemeinsame Wachstumsstrategie durchgeführt, die sich sowohl aus operativem Wachstum, als auch aus strategisch sinnvollen externen Zukäufen zusammensetzt. Hierbei kann der Unternehmer 2 Ziele vereinbaren. Zum einen wird im privaten Bereich die notwendige Sicherheit erzeugt, zum anderen kann noch einige Jahre Vollgas gegeben und das Unternehmen weitergebracht werden. Die Expertise des erfahrenen Investmentpartners hilft bei der Realisierung im strategischen Bereich und beim externen Wachstum durch Zukäufe.

3. SCHRITT – GEMEINSAMER VERKAUF

Am Ende des Zeitraumes steht in der Regel ein gemeinsamer Verkauf zu einem höheren EBIT-Multiple. Der EBITMultiple ist in jeder Branche stark von der Größe des jeweiligen Unternehmens abhängig. Während sehr kleine Unternehmen eher zu Faktoren von 4-5 verkauft werden, können große Unternehmen in derselben Branche Faktoren von 6,5-10 erzielen. Entscheidend für den Erfolg ist also das schnelle Wachstum in Phase 2. Durch die Zweiteilung des Verkaufs können häufig beide Kaufpreise optimiert werden. Der Investmentpartner kann dadurch einen erhöhten Kaufpreis zahlen, indem er die Finanzierung über seine gute Bonität teilweise mit Fremdmitteln darstellt und im Erfolgsfall seinen Ertragszuwachs erhöht (Leverage). Dieses Modell eignet sich für Unternehmer, die noch etwas mit ihrem Unternehmen vorhaben, aber das Risiko einer schlechten Unternehmensentwicklung begrenzen und sich systematisch auf einen Ausstieg vorbereiten wollen. Es kann als ein Rennen betrachtet werden. Der Unternehmer bewegt sich in einem Feld, in dem er sich bestens auskennt und kann zusammen mit dem Investmentpartner Dinge umsetzen, die allein zu riskant oder schwierig wären. Auswahl des richtigen Partners Die Auswahl des Partners hängt von einer Reihe von unterschiedlichen Punkten ab: Branchenfokus in dem Feld, in dem das Unternehmen tätig ist – eine Reihe von Fonds und Family Offices haben sich in den letzten Jahren mehr und mehr auf Brancheninvestitionsstrategien konzentriert. Andere Fonds investieren komplett „agnostisch“.

Der Trend geht in den letzten Jahren immer mehr weg von der rein agnostischen Vorgehensweise. Die bessere Branchenkenntnis der Investoren macht später in der Zusammenarbeit das Verständnis füreinander, die Zusammenarbeit wie auch die Unternehmensprüfung im Kaufprozess einfacher.  Passende Investitionsparameter – die Unternehmensgröße und Ertragskraft und die Größe des „Investitionstopfes“ sollten zusammenpassen. So wird ein Fonds, der insgesamt 1.000 Mio. Euro zu investieren hat, in etwa die folgende Mathematik berücksichtigen:

  • Eigenkapital 1.000 Mio. €,
  • Leverage (Bankfinanzierung) ca. im Durchschnitt 2/1,
  • D.h. ca. 2.000 Mio. € Bankfinanzierung insgesamt,
  • Je nach Teamgröße ca. 15 Plattforminvestments, durchschnittlich mit ca. 200 Mio. € Kapitaleinsatz, davon ca. 50 – 100 Mio. € Eigenkapital,
  • Mindest-EK-Investment je Plattform ca. 30-50 Mio. € Diese Mathematik ist oft nicht zu „überwinden“. Weder Investoren mit zu großen noch mit zu kleinen Investmentgrößen können am Ende den Deal durchführen.

Erzielbare Multiples und Auswahl des Investors
Es hängt von verschiedenen Parametern ab welcher Multiple erzielt werden kann:

  • Branche (Wachstumsbranche oder Konsolidierung in der Branche)
  • Unternehmenswachstum
  • Wachstumsplanung (intern und extern)
  • Unternehmensgröße
  • Attraktivität und Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells sowie Grad der Digitalisierung
  • Abhängigkeit des Erfolges von einzelnen Mitarbeitern, Kunden oder Lieferanten

Eine Analyse dieser Punkte und eine Vorauswahl der geeigneten Investoren ist im Vorfeld zu einem Unternehmensverkauf sinnvoll. In der Investment-Partnerwahl ist es wie in der Ehe, man sollte vorher wissen, an wen man sich bindet und sich durchaus mit Geschäftsführern früherer Investments unterhalten, wenn dies angeboten wird.